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Vorgeschichte

Eventuell existierte in Heilbad Heiligenstadt schon seit 1212 eine jüdische Gemeinschaft. Als erster Beleg für eine mutmaßliche jüdische Einwohnerschaft in Heiligenstadt gilt die Heiligenstädter Willkür, ein Stadtrecht von 1335, in welchem Jüdinnen und Juden in vier Artikeln Erwähnung finden. Darüber hinaus enthält ein Anhang der „Willkür“, welcher um 1400 entstand, einen „Judeneid“, in dem die Rechte und Pflichten der Heiligenstädter Juden thematisiert werden. 1469 wird der „Judenhof“ erstmals erwähnt, ein Straßenzug, in dem Jüdinnen und Juden wohnten. Dieser existiert unter diesem Namen noch heute.




Jüdenhof in Heilbad Heiligenstadt, 2023. Der sogenannte Jüdenhof von 1469 besteht in seiner Architektur und Bezeichnung bis heute in Heilbad Heiligenstadt. (Fotos: Valentin Orlob) 


Im Rahmen der Pestepidemien sind auch in Heiligenstadt gegenüber den jüdischen Einwohner:innen Pogrome und Verfolgungen belegt: Im Jahr 1574 wurde die Stadt Heiligenstadt von dem Mainzer Erzbischof als herrschende Instanz aufgefordert, Jüdinnen und Juden auszuweisen und künftig keine auf dem Eichsfeld zu dulden. Infolgedessen findet bis zum 18. Jahrhundert keine weitere Erwähnung von jüdischem Leben in Heiligenstadt statt.


Dies änderte sich 1796, als der Mainzer Erzbischof vier bis fünf wohlhabenden jüdischen Familien die Erlaubnis gab, sich im Eichsfeld anzusiedeln. Diese Erlaubnis nutzte mit Joseph Meyer aus Göttingen der erste Jude, um sich in Heiligenstadt anzusiedeln. 1817 gab es bereits eine jüdische Gemeinde, was durch die Existenz eines Rabbiners und einer Synagogenordnung belegt ist. Zudem ist an dieser Stelle zu erwähnen, dass am 24. Mai 1825 mit Heinrich Heine einer der bedeutendsten deutschen Dichter in Heiligenstadt vom Judentum zum Christentum übertrat, um in Göttingen Jura studieren zu können. 


Im weiteren Verlauf des 19. Jahrhunderts stieg die jüdische Bevölkerung in Heilbad Heiligenstadt immer weiter an. Aufgrund dessen wurde, vermutlich im Jahr 1850, ein jüdischer Friedhof angelegt. Zudem weihte die Gemeinde 1873 in der Stubenstraße ihr Synagogengebäude ein, was im Jahr zuvor käuflich erworben wurde. Die jüdische Gemeinschaft unterhielt darüber hinaus in Heiligenstadt eine eigene Schule. In den 1880er Jahren hatte die jüdische Gemeinde über 100 Mitglieder. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts sank ihre Zahl aber wieder; es zogen viele Jüdinnen und Juden in größere Städte, was zur Verkleinerung der Heiligenstädter Gemeinde führte. Zum Ende der Weimarer Republik hatte Heiligenstadt noch 34 jüdische Bürger:innen.


Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 begann auch für die Heiligenstädter Juden ein beispielsloser Leidensweg. Am 3. April 1933 berichtete das „Eichsfelder Volksblatt“ von Geschäftsschließungen jüdischer Besitzer als Reaktion auf drohende Boykotte. So wurde beispielsweise am Kaufhaus „M. G. Oppenheimer“ der Schriftzug „Kauft nicht bei Juden“ angebracht. Darüber hinaus existiert die Erzählung von einem Autohändler namens König. Dieser habe eine Probefahrt mit dem Juden Erwin Hildesheimer durchgeführt und sei daraufhin mit Spottschildern durch die Heiligenstädter Wilhelmstraße geführt worden. 


Auch wenn die antisemitischen Repressalien im katholisch geprägten Eichsfeld möglicherweise nicht so radikal ausgeprägt waren wie in protestantischen Regionen Thüringens, wurden die Jüdinnen und Juden auch in Heiligenstadt schrittweise aus ihren Berufen gedrängt und gesellschaftlich ausgegrenzt. Als Folge verarmte die jüdische Bevölkerung durch die ausbleibenden Einkünfte. 1938 lebten in Folge von Schikanen und Auswanderungen noch 32 jüdische Bürger:innen in Heiligenstadt, zwei Jahre später waren es nur noch 14. 1939 waren alle ehemals jüdischen Geschäfte entweder „arisiert“ oder geschlossen.

Die Ereignisse im November 1938

Mit der Weisung Heinrich Himmlers vom 26. Oktober 1938, nach welcher alle polnischen Jüdinnen und Juden binnen 48 Stunden Deutschland verlassen mussten, wurde die Heiligenstädter Familie Neuwirth nach Polen abgeschoben. 


In der Nacht vom 9. auf den 10. November zogen randalierende Nationalsozialisten vor die Wohnungen der Heiligenstädter Jüdinnen und Juden. In der Wohnung von Erwin Hildesheimer am Kasseler Tor 7 zertrümmerten sie 20 Fensterscheiben. Die Polizei nahm acht männliche jüdische Bewohner in „Schutzhaft“ und ließ sie auf telefonische Anordnung der Geheimen Staatspolizei Erfurt um 4:30 Uhr per Kraftfahrzeug in das KZ Buchenwald bringen. Die Festgenommenen waren Julius Haase, Hermann Ilberg (74 Jahre alt), Herbold Löwenstein, Alexander Löwenthal, Hans Löwenthal, Julius Meyerstein, Paul Wertheim und Alfred Weil. 


Die Thüringer Gauzeitung berichtete am 10. November 1938: „Nach Bekanntwerden der Nachricht vom Tode des von jüdischer Hand ermordeten Gesandtschaftsrats von Rath bemächtigte sich zahlreicher Heiligenstädter eine berechtigte Empörung, die sich in Demonstrationen gegen die hier noch ansässigen Juden Luft machte. Die Polizei sah sich aus diesem Grunde veranlaßt, die männlichen Juden in Schutzhaft zu nehmen.“


Im Rahmen der Verhaftungen durchsuchten und verwüsteten die Täter auch etliche Wohnungen. Dabei, so berichtete die städtische Polizei an den Landrat, seien auch Waffen sichergestellt worden. 




Bericht der Ortspolizeibehörde Heiligenstadt (Kriminaloberassistent Höppner) an den Landrat, 10. November 1938. (Thür. Staatsarchiv Gotha)


Im Gegensatz zu den meisten anderen jüdischen Gotteshäusern blieb die Heiligenstädter Synagoge in der Pogromnacht von einem Brandanschlag verschont. Dies hing vorrangig mit dem Umstand zusammen, dass das Gebäude in ein Reihenhaus integriert war und somit ein Brand die direkt angrenzenden Wohnhäuser gefährdet hätte. Darüber, ob ein möglicherweise gelegtes Feuer kurz nach dem Entzünden erstickt wurde oder schlicht keines gelegt wurde, geben die Berichte von Zeitzeug:innen unterschiedlich Auskunft. Einigen Aussagen zufolge sei die Synagoge von der örtlichen SA in Brand gesteckt worden. Aufgrund des an die Synagoge angrenzenden Kolpinghauses habe jedoch die katholische Bevölkerung die SA aufgefordert, das Feuer zu löschen, was auch geschehen sei. 


Doch durch die Zerstörung des Inventars der Synagoge wurde diese auf andere Art und Weise geschändet. Jahre später wurden die Thorarollen der Synagoge auf dem Dachboden eines Heiligenstädter Museums aufgefunden. Diese waren mutmaßlich bei Aufräumarbeiten des Reichsarbeitsdienstes nach der Pogromnacht auf einer Müllkippe entsorgt worden. Dort fanden sie Schüler:innen aus dem benachbarten Ort Geisleden und übergaben sie dem Museum. Als zynische „Sühnemaßnahme“ für die in der Pogromnacht entstandenen Schäden zwang das Regime die Heiligenstädter Jüdinnen und Juden, einen Betrag von 44.800 Reichsmark zu zahlen. 



Lageplan der Synagoge in der Stubenstraße, 1872 und 1940.
(Kulle, Kathrin/Mieskes, Johanna, Jüdisches Leben in Thüringen, auf dem Eichsfeld und in Heiligenstadt, Stadtarchiv Heiligenstadt)
 

Folgen

Die acht nach Buchenwald verschleppten Juden wurden bis Anfang Januar 1939 zunächst wieder freigelassen. In Heiligenstadt setzten sich die Repressalien gegen die jüdische Bevölkerung Heiligenstadts jedoch fort. Nach entsprechender Anordnung der Geheimen Staatspolizei wurden alle Rundfunkgeräte der jüdischen Einwohner:innen eingezogen. Dies betraf Herbold Löwenstein, Alexander Löwenthal und Hermann Ilberg. Zudem wurden durch den Bürgermeister als Ortspolizeibehörde weitere „Maßnahmen gegen die Juden“ getroffen. Zu diesen zählten die feste Zuweisung von Einkaufszeiten in „arischen“ Geschäften. Darüber hinaus war es den Heiligenstädter Jüdinnen und Juden verboten, nach 20 Uhr das Haus zu verlassen. Die kleine jüdische Gemeinde wurde zudem Anfang 1940 gezwungen, das Synagogengebäude weit unter Wert für 6000 Mark zu verkaufen. Es diente nun zu Wohnzwecken.


Mehreren Heiligenstädter Jüdinnen und Juden gelang es noch vor Kriegsbeginn, aus Deutschland zu emigrieren. Aus einem Schreiben des Bürgermeisters an den Landrat vom 18. Juni 1940 geht hervor, dass in Heiligenstadt zu diesem Zeitpunkt noch 14 Personen jüdischen Glaubens lebten. Bis auf die betagten Geschwister Ilberg bemühten sich alle um eine Auswanderung. Julius Haase und seine Ehefrau verfügten zudem schon über eine Einreisegenehmigung in die USA sowie eine bezahlte Überfahrt, welche ihnen jedoch aufgrund des Krieges nicht möglich war.


Eine Besonderheit stellt der weitere Umgang mit den 14 in Heiligenstadt verbliebenen Jüdinnen und Juden dar. Der NSDAP-Kreisleiter Alois Vogt wollte vehement dem Thüringer Gauleiter Fritz Sauckel melden, dass Heiligenstadt „judenfrei“ sei. Daher suchte er nach Möglichkeiten, die ortsansässigen Jüdinnen und Juden außerhalb Heiligenstadts unterzubringen. Dies führte dazu, dass die verbliebenden Heiligenstädter Jüdinnen und Juden in der ersten Dezemberhälfte 1941 in einem alten Zechenhaus im ehemaligen Schacht ‚Felsenfest‘ im etwa 30 Kilometer von Heiligenstadt entfernt gelegenem Ort Hüpstedt einquartiert wurden. Der Bürgermeister Hüpstedts gab nach dem Krieg an, die jüdischen Bürger:innen trotz angedrohter KZ-Haft vom zuständigen Worbiser Landrat aufgenommen zu haben. Den Aufenthalt in Felsenfest belegt eine Mitteilung aus dem Februar 1942 an den Gemeindevorsteher Löwenthal in Hüpstedt, in welcher berichtet wird, dass die jüdische Gemeinde Heiligenstadt aus dem Vereinsregister gelöscht wurde. 



Mitteilung an Gemeindevorsteher Alexander Loewenthal in Hüpstedt, 2. Februar 1942. Alexander Loewenthal wird darüber informiert, dass die jüdische Gemeinde aus dem Vereinsregister gestrichen wurde. (Thür. Staatsarchiv Gotha)


Zu den nach Hüpstedt gebrachten Heiligenstädter Juden gehörte Paul Wertheim, der bereits in der Pogromnacht in das KZ Buchenwald gebracht und Mitte Dezember 1938 wieder entlassen worden war. Anschließend war er zum „geschlossenen Arbeitseinsatz“ beim Bau der Hohenwarthe-Talsperre in Südthüringen verpflichtet worden. Mitte Dezember 1941 wurde er erneut verhaftet und in das KZ Buchenwald eingewiesen. Am 12. März 1942 überstellte ihn die SS von dort in die „Euthanasie“-Mordanstalt Bernburg, wo er im Gast erstickt wurde.



Karteikarte des KZ Buchenwald für Paul Wertheim, 1941/42. Zunächst war Wertheim als Polizeihäftling inhaftiert, ab Februar 1942 als „politischer Jude“. In Buchenwald musste er auszehrende Zwangsarbeit im Steinbruch leisten. (Arolsen Archives)


Die Deportation der letzten in Hüpstedt verbliebenen Heiligenstädter Jüdinnen und Juden erfolgte in zwei Gruppen. Die erste Gruppe wurde am 9. Mai 1942 deportiert und kam in einem großen Sammeltransport von Weimar über Leipzig nach Bełżyce im besetzten Polen. Nach der Räumung des dortigen Ghettos erfolgte die erneute Deportation nach Majdanek. Das dortige Vernichtungslager überlebte kein:e Heiligenstädter Jüdin und Jude. Die letzten in Hüpstedt wohnhaften Jüdinnen und Juden wurden nach Theresienstadt deportiert. Als einzige überlebte dort Pauline Löwenstein (geb. 1876). Sie kam nach der Befreiung nach Heiligenstadt zurück und starb dort 1947. 

Biographien

Alexander Loewenthal


Alexander Loewenthal wurde 1872 in Heiligenstadt geboren. Er führte in dritter Generation das Bankhaus „A. M. Loewenthal“ in der Lindenallee 14. Zudem war er letzter Vorsteher der jüdischen Gemeinde. Alexander Loewenthal gehörte zu den acht Heiligenstädter Juden, die am 10. November 1938 in das KZ Buchenwald deportiert wurden. Am 8. Dezember 1938 wurde er wieder entlassen. Nach Angaben des Bürgermeisters der Stadt Heiligenstadt an die Geheime Staatspolizei 1939 bemühte er sich um eine Auswanderung in die USA, welche jedoch aufgrund der hohen Vormerknummer als unrealistisch eingeschätzt wurde. Am 12. Dezember 1941 erfolgte die zwangsweise Umsiedlung der letzten Heiligenstädter Juden nach Hüpstedt, unter welchen sich Loewenthal zusammen mit seiner Ehefrau Gertrud befand. 


Am 19. September 1942 ließ die Gestapo das Ehepaar Loewenthal über Weimar und Leipzig nach Theresienstadt deportieren. Vor der Ankunft im dortigen Ghetto musste Alexander Loewenthal für sich und seine Frau einen „Heimeinkaufvertrag“ im Wert seines restlichen Vermögens von 23.118 Reichsmark abschließen. Mit diesen erzwungenen Verträgen ließ sich das Regime die angeblichen Kosten für Unterkunft und Verpflegung im Ghetto Theresienstadt bezahlen. Tatsächlich herrschten im Ghetto katastrophale Lebensbedingungen. Hunger, Kälte und Zwangsarbeit töteten die Deportierten. Alexander Loewenthal starb am 2. Mai 1943, etwas mehr als sieben Monate nach seiner Ankunft in Theresienstadt. Seine Frau Gertrud verschleppte die SS im Mai 1944 nach Auschwitz und ermordete sie dort. 



Anfrage der Gestapo Erfurt an den Heiligenstädter Landrat, Loewenthals Vermögensverhältnisse darzulegen und Auskunft darüber zu geben, wann mit dessen Auswanderung zu rechnen sei, 28. November 1939. (Thür. Staatsarchiv Gotha)


Herbald und Pauline Löwenstein 


Herbald Löwenstein wurde 1872 in Obermöllrich bei Fritzlar geboren, seine spätere Ehefrau Pauline Kaiser 1876 in Großenenglis bei Fritzlar. Von Beruf war Herbald Loewenstein Lehrer. 1933 wurde er als Jude aus dem Staatsdienst entlassen. Das Ehepaar zog deshalb zu seiner Tochter Brunhilde Meyerstein, die bereits seit einigen Jahren in Heiligenstadt wohnte.


In den frühen Morgenstunden des 10. November 1938 wurde Herbold Löwenstein von der Polizei in „Schutzhaft“ genommen und in das KZ Buchenwald gebracht. Ende November wurde er aus dem Konzentrationslager wieder entlassen und unterrichtete bis 1940 jüdische Kinder in Witzenhausen. 


Wie das Ehepaar Loewenthal wurde auch das Ehepaar Löwenstein mit der Tochter Brunhilde Meyerstein im Dezember 1941 zwangsweise nach Hüpstedt umgesiedelt. Von dort deportierte die Gestapo Brunhilde Meyerstein im Mai 1942 in das Ghetto Bełżyce. Dort verliert sich ihre Spur. Ihre Eltern Herbald und Pauline Löwenstein blieben zunächst noch in Hüpstedt, wurden aber im September 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Herbald Löwenstein starb dort am 14. Mai 1944 an den Folgen von Hunger und Auszehrung. Seine Frau Pauline überlebte als einzige der deportierten Heiligenstädter Juden den Holocaust und kehrte nach Heiligenstadt zurück, wo sie am 1. Oktober 1947 verstarb und auf dem dortigen jüdischen Friedhof beigesetzt wurde. Nach Pauline Löwenstein wurde eine Straße im Heiligenstädter Wohngebiet „Auf dem Hohen Raine“ benannt. 



Straßenschild der Pauline-Löwenstein-Straße im Wohngebiet „Auf dem Hohen Raine“, 2023. (Foto: Valentin Orlob)
 

Justizielle Ahndung

Es ist nicht bekannt, ob sich einer der am Novemberpogrom in Heiligenstadt beteiligten Täter später dafür vor Gericht verantworten musste. 


Der NSDAP-Kreisleiter Alois Vogt konnte sich im April 1945 zusammen mit weiteren NS-Tätern sowie dem Bürgermeister Heiligenstadts gemeinsam mit einer militärischen Einheit absetzen und untertauchen. Später lebte er unbehelligt im Rheinland.  

Spuren und Gedenken

Nachdem die jüdische Gemeinde 1940 gezwungen worden war, das Synagogengebäude in der Stubenstraße 14 zu verkaufen, wurde es in den folgenden Jahrzehnten nach Umbaumaßnahmen als Wohnhaus genutzt. 1988 wurde am Gebäude eine Gedenktafel mit der Aufschrift: „Ehemalige Synagoge. Am 10.9.1837 geweiht. Am 9.11.1938 geschändet. Ehrendes Gedenken den vom Faschismus vertriebenen und ermordeten Bürgern jüdischen Glaubens" angebracht.  Nach kontroversen Diskussionen wurde das Gebäude der ehemaligen Synagoge 2011 abgerissen, um Platz für eine neue Einkaufspassage zu schaffen. Anschließend erinnerte nur noch ein Stolperstein an das ehemalige Gotteshaus, welcher jedoch aufgrund von Bauarbeiten entfernt wurde. Die 1988 angebrachte Gedenktafel wurde vor dem Abriss abgenommen, mit dem Ziel, sie am Neubau anzubringen. Ihr Verbleib ist unklar. 



Standort der 2011 abgerissenen ehemaligen Synagoge in der Stubenstraße, 2023. (Foto: Valentin Orlob)


Am Jahrestag der Pogromnacht findet jährlich eine Gedenkveranstaltung am ehemaligen Standort der Synagoge statt. Darüber hinaus erinnern in Heiligenstadt Stolpersteine sowie Gedenktafeln an einigen Wohnhäusern an die jüdische Geschichte der Stadt. 



Stolpersteine vor dem ehemaligen Wohnhaus der Familie Loewenthal in der Petristraße 25, 2023. (Foto: Valentin Orlob)


Eine Besonderheit ist, dass im Neubaugebiet „Auf dem Hohen Raine“ alle acht Straßen die Namen ehemaliger jüdischer Einwohner:innen tragen. Eine Straße ist nach der oben vorgestellten Pauline Löwenstein benannt, eine weitere nach dem ebenfalls vorgestellten Alexander Loewenthal. 



Straßenschild der Alexander-Loewenthal-Straße im Wohngebiet „Auf dem Hohen Raine“, 2023. (Foto: Valentin Orlob)


Der jüdische Friedhof unterhalb des Heiligenstädter Ibergs ist erhalten geblieben und in gutem Zustand. Das Gelände verfügt über eine Informationstafel über die Geschichte der jüdischen Gemeinde und zur Entstehung des Friedhofs. 



Jüdischer Friedhof unterhalb des Ibergs, 2023. (Foto: Valentin Orlob)

(Kopie 1)

Quellen und Literatur

Barthel, Rolf: Wider das Vergessen. Faschistische Verbrechen auf dem Eichsfeld und in Mühlhausen, Jena 2004.

Gellrich, Christian: Jüdisches Leben im Eichsfeld. Ein Forschungsbericht zur Wiederansiedlung im 19. Jahrhundert, in: Jahrbuch für mitteldeutsche Kirchen- und Ordensgeschichte Heft1/2005, S. 99-106.

Günther, Ellen: Kreis Eichsfeld, in: Krause-Schmitt, Ursula (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Thüringen, Frankfurt/Main 2003, S. 28-47.

Kulle, Kathrin/Mieskes, Johanna: Zur Geschichte der Heiligenstädter Synagoge, in: Eichsfeld-Jahrbuch 10 (2002), S. 243-255.

Rademacher, Edgar: Zwischenstation Hüpstedt. Die letzten Heiligenstädter Juden, in: Eichsfeld: Heimatzeitschrift des Eichsfeldes Jg. 44 (2000), S. 412-414.

Rademacher, Edgar/Godehardt, Helmut: Das weitere Schicksal der letzten jüdischen Bürger von Heiligenstadt 1941/1942, in: Eichsfelder Heimathefte 1 (1982).

Reinhold, Josef: Die Deportation der letzten Juden aus Heiligenstadt nach Belzyce und Theresienstadt, in: Eichsfeld: Heimatzeitschrift des Eichsfeldes, Jg. 45 (2001), S. 422-425.

Links

Beitrag zu Heiligenstadt auf juedische-gemeinde.de: https://www.jüdische-gemeinden.de/index.php/gemeinden/h-j/867-heiligenstadt-eichsfeld-thueringen

 

 

 

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Autor: Valentin Orlob, Student an der Friedrich-Schiller-Universtität Jena